Herr Baumhus, Digitalisierungsbeauftragter am Eugen‑Schmalenbach‑Berufskolleg, nahm an der Qualifizierungsmaßnahme „Digitalität in Schule – Job Shadowing in Finnland“ teil. Die Maßnahme richtete sich an Schulleitungen und Digitalisierungsbeauftragte aus den Regierungsbezirken Arnsberg und Düsseldorf und wurde durch die EU‑Geschäftsstelle koordiniert.
Bildungspartner vor Ort war Omnia in Espoo; dort verbrachte die Delegation drei Tage mit vertieften Einblicken in Organisation, Didaktik und digitale Konzepte der Berufsbildung.
Ergänzt wurde das Programm durch eine Tagesexkursion nach Tallinn.
Finnland / Espoo — Programmpunkte
- Dreitägiger Besuch bei Omnia: Umfangreiche Präsentationen und Gespräche mit Verantwortlichen zu Strategie, Struktur und regionaler Vernetzung von Omnia als Bildungsanbieter.
- Einführung ins finnische Berufsbildungssystem: Vermittlung des Gesamtkonzepts mit Betonung auf individualisierten Lernwegen, modularen Curricula und klaren Übergängen in Ausbildung und Arbeitsmarkt.
- Job‑Shadowing und Fachgespräche: Hospitationen in den Bereichen Elektrotechnik, Metalltechnik, Wirtschaft und Verwaltung; Austausch zu Lernaufgaben, Leistungsbewertung und begleitender digitaler Dokumentation.
- Rundgänge auf den Campussen (Kirkkokatu, Leppävaara): Beobachtung offener, flexibler Raumkonzepte, Lerninseln und digital ausgestatteter Werkstätten; Einblicke in Fachbereiche Elektrotechnik und Metalltechnik.
- MakerSpace Otaniemi: Führung durch den MakerSpace mit Praxisbeispielen für projektorientiertes Arbeiten; Demonstration von Ausstattung, Safety‑Konzepten und organisatorischer Einbindung in Lehrpläne.
- CoVE‑Projekte (Centre of Vocational Excellence): Vorstellung regionaler Excellence‑Modelle durch Projektverantwortliche; Diskussion von Kooperationsformen mit Wirtschaft und Forschung.
- Digitalisierungs‑ und Verwaltungslösungen: Präsentationen zu digitalen Tools für Lernbegleitung, Dokumentation und Qualitätssteuerung: Besprechung, wie technische Systeme administrative Prozesse vereinfachen und Unterrichtsqualität messen helfen.
Estland / Tallinn — Programmpunkte
- Besuch Saaksa Gymnasium (deutschsprachiger Zweig): Vorstellung der schulischen Organisation und Didaktik
- Austausch mit Lehrkräften und Lernenden: Einblicke in Projektarbeiten und Sprachförderung
- Deutschsprachige Stadtführung durch Schülerinnen und Schüler: Praxisnahe Anwendung sprachlicher Kompetenzen
- Beobachtung schülerzentrierter Formate: Nutzung von Orten außerhalb des Klassenraums für authentisches Lernen
Beeindruckend für die Gruppe war besonders die starke Individualisierung im finnischen Bildungssystem: Es gibt keine „Dead Ends“, Lernwege sind flexibel und das persönliche Lerntempo wird gemeinsam mit einem persönlichen Tutor in regelmäßigen Gesprächen abgestimmt und begleitet. Auffällig war zudem, dass ein lebenslanges Zurückkehren in das System der beruflichen Bildung möglich ist, wodurch berufliche Weiterbildung als durchgängiges Element verankert wird.
Hervorzuheben ist die hohe Aufenthaltsqualität und die lernförderliche Atmosphäre bei Omnia, die durch moderne Räume, gut ausgestattete Makerspaces und offene Lernkulturen getragen wird.
Ebenfalls prägend sind die alternativen Prüfungsformate: An Stelle zahlreicher formaler Prüfungen stehen Kompetenzdemonstrationen in Schule und Betrieb, die Praxisnähe und berufliche Handlungskompetenz in den Mittelpunkt rücken.
Aus den Begegnungen in Espoo und Tallinn ergeben sich mehrere konkrete Ansatzpunkte:
Die systematische Verankerung von Digitalität als Teil von Organisations‑ und Unterrichtsprozessen, die stärkere Ausrichtung auf individualisierte Lernpfade, der Ausbau von Makerspaces als Lernorte für projektbasiertes Arbeiten sowie die Evaluation digitaler Verwaltungs‑ und Qualitätsinstrumente zur Entlastung der Lehrkräfte. Darüber hinaus bestätigen die Erfahrungen den hohen Wert internationaler Hospitationen und schülernaher Austauschformate für die Förderung sprachlicher und interkultureller Kompetenzen.

















