Jugend und Ausbildung
Am 20.08.1873 wird Eugen Schmalenbach in Halver/Westfalen, Ortsteil Schmalenbach, geboren. Sein Vater - Friedrich Schmalenbach - betreibt zur Zeit seiner Geburt 1873 eine Fabrik für Kleineisenwaren in Breckerfeld, unweit von Halver.
Im Frühjahr 1890, im Alter von 16 Jahren, verlässt Schmalenbach aufgrund finanzieller Schwierigkeiten seines Vaters das Dörpfeld-Gymnasium in Elberfeld. Für Schmalenbach bedeutet dies zunächst das Ende aller hochfliegenden Pläne und Hoffnungen von Abitur und Studium das Ende des Traumes von einer großen Karriere.
Schmalenbach beginnt statt dessen - nach einer kurzen Volontärzeit in einem Unternehmen des Maschinenbaus - mit einer kaufmännischen Lehre in einer Eisenwarenfabrik. In der Zeit von 1894 bis 1898 ist er im väterlichen Unternehmen tätig, zuletzt als Leiter des Hauptbetriebes mit der Verantwortung für die Fabrikbuchhaltung und Vertriebskalkulation.
Mit der Eröffnung der Handelshochschule Leipzig gehört Schmalenbach zu ihren ersten Hörern. So gelingt ihm nun doch der Einstieg in die Hochschule. Das Hochschulexamen besteht er im Jahre 1900 mit der Note sehr gut. Danach studiert er an der Universität Leipzig Nationalökonomie bei Karl Bücher, der durch seine Studien zum Gesetz der Massenproduktion bekannt wurde. Schmalenbach wurde Assistent von Bücher.
Wissenschaftliche Karriere
Eugen Schmalenbachs Landhaus
Heute liegt es an einer breit ausgebauten Bundesstraße. Im Hintergrund - rechts zwischen den Bäumen - ist der Giebel seines Geburtshauses zu sehen.
Auf Anregung Büchers geht Schmalenbach 1903 an die 1901 gegründete Handelshochschule Köln, die als Stiftung ohne Anlehnung an die Universität errichtet werden konnte. Dort habilitiert er sich, wird 1904 zum Dozenten ernannt und 1906 als Professor berufen. Ein erstes hohes Ziel ist erreicht.
Im gleichen Jahr erscheint die von ihm begründete "Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung", deren Herausgeber sowie zugleich eifrigster Redakteur und Autor Schmalenbach selbst ist. Hier geht es ihm zunächst primär darum, in einem ersten breit angelegten Schritt betriebswirtschaftlich interessante Sachverhalte aus der Praxis zu erheben. Bis 1933 veröffentlicht er in seiner Zeitschrift um 100 Aufsätze, von denen einige Grundlage seiner späteren Standardwerke werden.
Als am 29. Mai 1919 die Universität zu Köln - nach einer längeren Schließung aufgrund einer Zustimmung der Preußischen Regierung zu einem Vertrag mit der Stadt Köln - wieder eröffnet wurde, wird die Handelshochschule zur Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Kölner Universität gewandelt. Aus Anlass der Einweihung der Fakultät verleiht sie Eugen Schmalenbach die Würde eines Dr. rer-pol.
Schwerpunkt der Schmalenbachschen Arbeit war das Rechnungswesen mit der Bilanzlehre, der Kostenrechnung und dem Kontenrahmen. Weitere Arbeitsgebiete stellten die Forschungsbereiche Finanzierungen und Kapitalwirtschaft sowie Unternehmensbewertung und Organisationslehre dar.
Eugen Schmalenbach wird auch bald ein begehrter Berater sowohl für den neuen demokratischen Staat und seiner im Jahre 1923 wieder erstarkenden Wirtschaft, als auch für renommierte Unternehmen wie die Feinpapierwerke Zanders in Bergisch-Gladbach und für die Leonard Tietz AG, später Kaufhof AG in Köln. Erwähnt seien ferner die Mitgliedschaft im Reichswirtschaftsrat, die Berufung zum Sachverständigen für die Eröffnungsbilanz der dt. Reichsbahngesellschaft sowie der Vorsitz in den Kommissionen für Braunkohlenbergbau und Steinkohlenwirtschaft.
Opfer des Nazi-Terrors
Während der Nazi-Zeit war Eugen Schmalenbach wegen seiner jüdischen Ehefrau Repressalien und Verfolgung ausgesetzt. Auch auf dem Lande waren die Wirkungen des bornierten Fanatismus leider zu spüren. Am 22. August 1939 schrieb er an seinen Bruder, dass "einige Burschen" anlässlich der verharmlosend so bezeichneten "Reichskristallnacht" die Fenster von Schmalenbachs Landhaus in Halver einwerfen wollten. Wer sie schließlich doch noch davon abgehalten hat, vermerkt er leider nicht. Über Halver schreibt er im gleichen Brief, dass die Gegend "doch sehr pro eingestellt" sei und man "den Antisemitismus gelegentlich zu spüren" bekomme. Nur die Luft sei hier so gut wie immer: "Man wundert sich zuweilen darüber, aber es ist tatsächlich so." Es war sein letzter Besuch in Halver auf Jahre hinaus. Den Hitlerkrieg hat das Ehepaar nur in einem Versteck im Hause eines mutigen ehemaligen Mitarbeiters namens Helmut Feist überleben können.
Der Professor als Unternehmer
Eugen Schmalenbach wird entsprechend seiner Herkunft jedoch auch selbst unternehmerisch tätig. So engagiert er sich in verschiedensten Gesellschaften unterschiedlichster Art. Verschiedene Patente künden ferner von seinem Ehrgeiz als Erfinder und Unternehmer.
Alle seine Werke und Lehren spiegeln den Einfluss seiner vom kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Praxiserfahrung wieder, und sein Name avancierte - begründet auf diesen Erfahrungen - zum Markenzeichen für ein fruchtbares Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis. Die Theorie, und zwar die angewandte Theorie, war seine Stärke.
Eugen Schmalenbach stirbt - 81 Jahre alt - am 20. Februar 1955.
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